Mittwoch, 13. April 2016

33. Vienna City Marathon - 10.04.2016

Ich werden den Bericht kurz halten - keine Sorge :-) Ich weiß natürlich, dass nach mehrmaligen Lesen meiner Berichte vom VCM der Reiz verloren geht bzw. nichts mehr Neues oder Interessantes dazukommen kann. Trotzdem ist der VCM für mich immer wieder etwas ganz Großes und deswegen gehört er auch für mich auf den Blog!
 
 
Diejenigen, die öfters in den letzten Wochen mitgelesen haben wissen, dass mein Training alles andere war, als ein "richtiges" Marathontraining.
 
Da ich mich wirklich nicht sehr gut vorbereitet fühlte, wurde ich die Wochen, Tage und Stunden davor extrem nervös. Ich befürchtete einfach einen sehr frühen Einbruch. Deswegen wollte ich den Marathon auch so locker laufen wie möglich. Die Nacht davor konnte ich kaum schlafen.
 
Und dann gings bei Sonnenaufgang nach Wien
 
Das Startgelände auf der Wagramer Straße
 
Vienna International Center
 
 
Es war saukalt...extrem kalt...ich hab nur gezittert bis zum Start
 
 
Die Blöcke füllten sich langsam
 
 
Auf den Fotos sieht man gar nicht, wie sehr ich gezittert habe
 
Los geht's!
 
Kilometer 1: Über die Reichsbrücke
Das ist für mich jedes Jahr noch immer ein Highlight.
 
Der Wind war schon ganz heftig - den ganzen Lauf über!
 
Kilometer 15: Ich dachte nur, dass ich total entspannt und ausgeruht bin. Meine Beine fühlten sich toll und leicht an...und dann....rammte mir ein anderer Läufer beim Überholen seinen Ellbogen in meinen Arm. Er muss einen Nerv getroffen haben, da ich bis zu meinen Fingerspitzen ein heftiges Pochen spürte. Und das hörte den ganzen Marathon nicht auf wehzutun. Mittlerweile hab ich an der Stelle einen Bluterguss. Ich kann nur froh sein, dass es "nur" mein Arm war und nicht mein Bein.

(Übrigens finde ich, dass sich die rücksichtslosen Läufer von Jahr zu Jahr mehren. Klar, es sind 42.000 Läufer am Start, aber es geht einfach nicht, dass man ständig angerempelt, geschubst und geschnitten wird. Wir alle sind "nur" Hobbyläufer, es geht um nichts, und sich dann so grob und egoistisch gegenüber den Mitläufern zu verhalten ist eine Frechheit. Diejenigen, die es betrifft, werden sich ja leider nichtmal betroffen fühlen^^)
 
Kilometer 17/18: Susi und Julian gesehen, die mich angefeuert und motiviert haben <3
 
 
Kilometer 21: Gottseidank sind die HM-Läufer abgebogen. Die Menge löste sich etwas auf und es gab kein großes Gedränge mehr.
 
Meinem Freund noch schnell die Kappe zugeworfen mit den Worten "Nimm die Kappe, die war teuer!". Und gleich einen weiteren Energieschub bekommen :-)
 
Die Zuschauer an der Strecke waren dieses Jahr der Wahnsinn. Obwohl es kalt und windig war, sind viele (mit Winterkleidung) an der Strecke gestanden und haben uns so toll angefeuert <3
 
Kilometer 28: Mir geht's noch immer sehr gut. Ich laufe in dem selben Tempo wie meine langen Läufe am Sonntag. Weil es mir so gut ging, überlegte ich etwas schneller zu werden. Aber die Angst blieb, dass sich mein sehr bescheidenes Training irgendwann auf der Strecke dafür rechnen wird. Ich wollte kein Risiko eingehen.
 
Kilometer 32: Ich spürte zum ersten Mal dass sich die Muskeln meiner Beine zusammenziehen. Ansonsten gings mir noch immer sehr gut.
 
Kilometer 38: Mir ist speiübel und mein Magen dreht sich. Soviel Powerade und Energygels in so kurzer Zeit vertragen sich einfach nicht. Ansonsten gings mir den Umständen entsprechend gut - mental und körperlich. Der Wind war leider noch immer sehr stark zu spüren!
 
Kilometer 40: Die letzten Kilometer sind immer die schrecklichsten. Aber mir ging es nicht so schlecht wie gedacht, was ich bis heute nicht verstehe. Die Zuschauer waren toll, und kurz vor dem Ziel stand noch ein Mann mit einem Megaphon und hat uns auf den letzten Hundert Metern angefeuert - echt der Wahnsinn!
 
Kilometer 42: Kurz vorm Ziel beim Burgtheater (leider ist das Ziel seit diesem Jahr nicht mehr der Heldenplatz)
 
Meine Mama und Tante haben mich zufällig erwischt und mir zugerufen. Zum Schluss habe ich noch die letzten Kräfte gesammelt.
 
Und ab durchs Ziel in 4:06 Stunden
 (das Foto ist von der anderen Seite vom Ziel)
 
Sofort als ich aufgehört habe zu laufen und gegangen bin, schossen mir Schmerzen in meinen Rücken von unten bis rauf zum Nacken. So bin ich nur in Minischritten weitergegangen und hab mir die Medaille und das Finishersackerl geholt.
 
Ich muss sagen, dass der Zieleinlauf sehr, sehr eng war und mir nicht so gut gefallen hat, wie am Heldenplatz. Auch danach hat es sich immer wieder gestaut weil der Platz, meiner Meinung, einfach zu klein und eng war.

Ohne dass wir telefoniert haben, standen meine Leute plötzlich vor mir, so ein toller Zufall :-) Wir haben noch schnell Fotos gemacht, ich hab mir etwas warmes angezogen und wir sind auch schon zur nächsten U-Bahn Station gegangen. Es war einfach zu kalt und ungemütlich, sodass ich (wir) einfach nur nach Hause wollten.
 
Ich kann es mir noch immer nicht erklären, dass ich diesen Marathon ohne (große) Probleme gelaufen bin und es mir 90% der Zeit gut ging. Lag es an der Einstellung alles locker zu nehmen (was ich insgeheim eh nicht kann, denn ich mache mir automatisch immer einen Druck) oder war mein Training doch nicht so schlecht wie gedacht? Ich analysiere gerade alles in meinem Kopf und werde auf das Training noch in einem extra Post eingehen, sonst wird das ganze hier doch zu lang.
 
Hätte ich etwas früher angasen sollen und dieses Jahr sogar die 4 Stunden Marke geknackt? Das frage ich mich auch sehr oft, aber ich bin überhaupt nicht unzufrieden mit der Zeit, im Gegenteil! Ich wollte kein Risiko eingehen, das habe ich mir den ganzen Lauf über gesagt.
 
Ich bin einfach nur sooo glücklich über diesen Marathon. Das war bisher mein persönlich bester Marathon, aber nicht wegen der verbesserten Zeit. Sondern weil es mir so gut ging, weil ich so eine Freude hatte beim Laufen, weil alles einfach gepasst hat! Und im Vorhinein hatte damit nie (!!!) gerechnet, das macht mich noch glücklicher.

Eigentlich sollte dieser Marathon für die vorerst nächsten 2 Jahre mein letzter sein. Nächstes Jahr mache ich meinen Studienabschluss, ich schreibe meine Bachelorarbeit und ich fand dieses Jahr schon alles so stressig, dass ich fast nicht mitgelaufen wäre. ABER, ich habe es trotzdem geschafft. Und es hat mir auch so gut getan, an einem Tag endlich wieder unter den Leuten zu sein, die so sind wie ich, die die gleiche Leidenschaft teilen und es nicht für verrückt halten, wenn man 4 Stunden durch die Gegend rennt. Ich denke, diesen Ausgleich brauche ich einfach. Nicht nur das Laufen selbst, sondern zu sehen, dass viele andere Menschen genauso denken und wir gemeinsam laufen.

Kurz vor Kilometer 35 sind neben mir zwei Männer gelaufen und der eine sagte zu seinem Freund: "Gemeinsam schaffen wir das, ohne dich lauf ich nicht ins Ziel."  <3

Danke euch fürs Daumen drücken am Sonntag und dass einige an mich gedacht haben. Fangt an zu Laufen, wenn ihr es nicht eh schon macht :-)

Bis ganz bald!
 
LG, Beauty Runner
 
 

Kommentare:

  1. Und wenn du noch 10x in Wien an den Start gehst, lese ich jedes Mal gerne den Bericht darüber, weil es einem doch immer anders geht und die Stimmung, die Leute, das Wetter, ... anders ist.
    Ich gratuliere dir zu deiner tollen Zeit, vor allem weil du dich im Vorhinein nicht so gut vorbereitet gefühlt hast und weil es dir so gut ergangen ist.
    Und ich musste richtig schmunzeln, weil ich mir letzten Sonntag dasselbe über die Lauffreaks rund um mich gedacht habe. Schön, wenn es so viele Laufverrückte gibt, die das einfach gerne machen!
    Liebe Grüße
    Runmine

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    1. Oh, das hast du echt nett geschrieben - danke dir!!!

      Ja, wir Lauffreaks sollten doch zusammenhalten, oder? Ich habe übrigens auf deiner Instragram-Seite deine zeit für deinen Marathon gesehen, echt der Wahnsinn!!!! Von so einer bombastischen Zeit hätte ich bei meinem 1. Marathon nur träumen können. Ganz herzlichen Glückwunsch nochmal von mir, du hast den Marathon ja echt gerockt! LG

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  2. Sehr schöner Bericht. Es freut mich total für Dich, dass Du es geschafft hast. Und Deine Zeit ist wirklich der Wahnsinn. Herzlichen Glückwunsch!

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    1. Viele lieben Dank!!! Das freut mich sehr :-)))

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  3. Ein sehr toller Bericht von dir. Der Wandel zwischen mir ist so übel und es war mein bester Marathon überhaupt kam etwas abrupt:-) Was hat dir geholfen durchzuhalten, als es dir schlecht ging?
    Liebe Grüße

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    1. Danke dir!!!

      Also die Tatsache, dass es mir erst sooo spät, also bei km38, so schlecht ging, half mir einfach enorm diese letzten 4km einfach irgendwie durchzuziehen. Wäre das 10km früher passiert, wäre es bestimmt nicht so einfach gewesen. Meine Beine waren ok, auch psychisch ging es mir gut, das einzige war wirklich dieses starke Übelkeitsgefühl. Die Zuschauer haben auch viel dazu beigetragen, obwohl ich sie zum Schluss gar nicht mehr wahrnehmen konnte, weil ich nur mehr "in the zone" war, alles andere ausgeblendet habe und mich nur aufs Laufen konzentriert habe. LG

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  4. Gratuliere dir zum Finish und zu dieser super Zeit!! Davon kann ich weiterhin nur träumen :) Ich glaub dein Körper hat sich schon an den Marathon gewöhnt und du hast ja im Training auch die langen Läufe durchgezogen!
    Gute Regeneration und kannst echt stolz auf dich sein.

    PS: Das mit den rücksichtlosen Läufern kann ich leider voll und ganz nachvollziehen... mir ist bei km13 einer auf der Ferse gestiegen....

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    1. Vielen lieben Dank Kati!

      Ja, ich denk mir schon, dass ich nach den vielen Jahre laufen gewisse Grundlagen aufgebaut hab, aber es ist mir trotzdem noch immer ein Rätsel dass es mir so gut ging. Auch die Regeneration ist einfach super schnell verlaufen...ich bin wirklich total baff aber auch sehr glücklich :-)

      Das mit den rücksichtslosen Läufern wird jedes Jahr schlimmer finde ich. Würde gerne wissen, ob das in anderen Städten auch so krass ist. LG

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  5. Hey, Glückwunsch zu der tollen Zeit!!! Und es freut mich sehr, dass es so ein schöner Lauf für dich war! Also ich lese immer wieder gerne deine Laufberichte, ob kurz gehalten oder nicht. Und wow, dass es in Wien so kalt und windig war letzte Woche :-O Und solche rücksichtslosen Läufer kann ich auch überhaupt nicht verstehen. Es geht ja immer noch um Spaß und Fairness gehört doch beim Sport sowieso dazu! Ich selbst habe damit zum Glück noch keine Erfahrung gemacht, aber ich denke das nimmt auch zu, je weiter man vorne mitläuft.
    42.000 Starter auf einmal ist aber auch ganz schön viel!!! Bei uns startet der HM und der M. gar nicht gleichzeitig (und es waren insgesamt viel weniger!!!!) und trotzdem kam es mir schon seeeehr viel vor. Das muss bei so einem riesigen Event ja ein echter Auflauf sein :D

    Was mich übrigens mal total interessieren würde, vilt. hast du Lust mal einen Post dazu zu schreiben (oder hast es schon?): Wie bist du überhaupt zum Laufen gekommen? Bzw. wann hat das angefangen und wie kam es dann dazu, dass du Marathon gelaufen bist? Bist du "früher" auch kürzere offizielle Läufe gelaufen und wie viele Marathons (? was ist die Mehrzahl :D) sind es bei dir jetzt schon? Also quasi deine Laufanfänge und -entwicklung; fände ich super spannend!
    Vilt. willst du ja auch nicht drüber schreiben, war nur als Anregung gemeint ;)
    Noch einen schönen Sonntag und ganz liebe Grüße!

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    1. Vielen lieben Dank!!!
      Ja, bis auf diese rücksichtslosen Läufer, war der Marathon diesmal einfach nur ein tolles Erlebnis für mich. Und ich muss dir auch recht geben, je weiter man vorne läuft, desto "schlimmer" ist es. Wahrscheinlich werde ich daher das nächste Mal etwas weiter hinten starten, denn früher hatte ich damit nie solche Probleme.

      Hey, danke für deine Anregung zu meiner "Laufvergangenheit". Ich habe wirklich nie so ausführlich darüber geschrieben wie bei mir alles angefangen hat. Der Post steht schon auf meiner Liste - vielen Dank :-) LG

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  6. Oh wie herrlich und entschuldige, dass ich erst jetzt Kommentiere, bei mir war in letzter Zeit die Zeit einfach ein wenig zu knapp... Ich habe am Marathontag auf jeden Fall an Dich gedacht!!

    Ich denke, der Grund warum der Marathon so gut gelaufen ist, ist einfach weil Du das ganze so locker angegangen bist – ohne Zeitdruck, ohne Leistungsdruck – und das sollten wir wahrscheinlich viel öfters machen ;-) Zudem bist Du einfach sehr gut durchtrainiert und auch routiniert, auch wenn Du kein typisches Marathontraining durchgeführt hast.

    Herzlichen Glückwunsch zu dem herrlichen Lauf mit einer super Zeit - das hast Du auf jeden Fall verdient!! :-)

    Ganz liebe Grüße Anna

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    1. Bitte, entschuldige dich nicht, ich verstehe das mit der Zeit voll und ganz! Ich freue mich dass (egal wann) Zeit findest und hier bei mir vorbeischaust :-)

      Vielen lieben Dank für deine Glückwünsche :-)) Ja, es mag wohl auch so sein, dass ich schon eine solide Grundausdauer habe und deswegen auch alles so gut geklappt hat. Ich freue mich jedenfalls noch immer sehr darüber! LG

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  7. Auch wenn Wien für dich schon fast Normalität ist für mich sind deine Berichte immer wieder was besonderes darüber.
    Echt schön wie entspannt und glücklich du die 42 Kilomter gelaufen bist. Sollten wir alle mal machen :)

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    1. Schön, dass du noch gerne meine Marathonberichte liest :-)

      Ich denke das schwierigste an einem Marathon ist, ihn entspannt zu laufen. Das wird wohl das Problem sein, das sich alle Läufer machen... Ich mache mir selber immer einen Druck, egal bei was, und das ich dieses Gefühl beim Marathon nicht hatte, ist schon ein großer Schritt für mich :-) LG

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